Der Tierproduktionssektor der Schweiz ist ein Netto-Vernichter von Nahrungsmitteln. ”Schweizer Fleisch“, ”Schweizer Milch“, ”Schweizer Käse“ und ”Schweizer Eier“ werden zum grössten Teil mithilfe von importiertem Kraftfutter – v.a. Soja und Mais – hergestellt. Dabei geht auf mindestens zwei Arten Nahrung verloren:
1. Die oft arme Bevölkerung der wichtigsten Produktionsländer von Kraftfutter verliert durch den Export in Länder wie die Schweiz einen grossen Teil des landwirtschaftlichen Ertrags ihres Bodens. (vgl. http://www.evb.ch/p17554.html)
2. Die Nährstoffe im Kraftfutter, die von uns Menschen zu einem grossen Teil auch direkt verwertet werden könnten, werden uns erst auf dem Umweg über die Tiere zugeführt, was mit ”Veredelungsverlusten“ verbunden ist: Die Energie, die z.B. eine Milchkuh für Wachstum, Bewegung, Schwangerschaften, Stress wegen der Wegnahme ihrer neugebohrenen Kälber, Immunabwehr bei chronischer Euterentzündung, und zuletzt für die Todesangst im Schlachthof verbraucht: diese Energie steht für den menschlichen Konsum zum grössten Teil nicht mehr zur Verfügung, weder in der Form von Fleisch, noch von Milch. (vgl. http://www.tier-im-fokus.ch/info-material/info-dossiers/soja/#zwischentitel_03)
Diese zweite Art der Nahrungsvernichtung findet auch dann statt, wenn es sich um tierische Produkte aus strikt inländischer Bio-Landwirtschaft handelt. Und selbst wenn eine Kuh ihr Leben lang nur Gras und Heu frisst – Nahrung, die wir Menschen natürlich nicht direkt verwerten können –, kann man sich die Frage stellen: ”Könnte da, wo dieses Gras wuchs, nicht auch anderes wachsen? Lupinen z.B.? Oder Roggen, Weizen, Kartoffeln, Mais, Mohn?“ (vgl. http://berggetreide.ch/) Und wenn an einem Standort partout nichts ausser Gras wachsen will, kann man immer noch weiter fragen: ”Müssen wir dieses Gras wirklich zuerst durch Tierdärme zwängen – auf gut Deutsch: zu Scheisse verarbeiten –, bevor wir es als Dünger auf unseren Äckern und Beeten verteilen?“
Ein paar Antworten auf diese Fragen sind schon gefunden (vgl. z.B. http://www.biohof-tannacker.ch/?page_id=2), viele sind noch offen. Der Bund könnte durch gezielte Förderung der veganen Landwirtschaft – einer Landwirtschaft, die ohne Nutztierhaltung funktioniert – mithelfen, unser praktisches und theoretisches Wissen in diese Richtung zu vergrössern und vertiefen.
Dabei könnte der Bund völlig unideologisch und politisch opportun auch weiterhin die Tierausbeutung in der konventionellen und der Biolandwirtschaft unterstützen. Wenn dann doch irgend einmal entweder von aussen (z.B. Exportländer von Kraftfutter besinnen sich) oder von innen (z.B. KonsumentInnen besinnen sich) der Druck steigt, diese Formen der ungerechten Landwirtschaft abzuschaffen, einzuschränken oder massiv zurückzufahren, steht die Schweiz nicht mit abgesägten Hosen da, sondern hat vegane Alternativen erforscht, entwickelt, erprobt und auf die lokalen Gegebenheiten – klimatisch, gesellschaftlich, wirtschaftlich – abgestimmt.
Und wie bei der heutigen staatlichen Förderung der Milch-, Eier- und Fleischwirtschaft hat der Bund dann auch bei der veganen Landwirtschaft die nachgelagerten Verarbeitungsbetriebe mitgefördert: von veganem Käse über vegane St. Galler Bratwurst bis hin zu veganem Zürcher Geschnetzeltem gibt es darum bis dahin alles im Laden zu kaufen, und zwar von höchster Schweizer Qualität und dank den Subventionen vom Bund zu einem Preis, der – warum auch nicht? – unter den Produktionskosten liegt. – Ist ja im Moment bei vielen Produkten tierischen Ursprungs auch so.
Förderung der veganen Landwirtschaft – wie der Plan Wahlen (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Plan_Wahlen), nur vorausschauender. Eine echte Schweizer Lösung.
Eingereicht von: Marielle Kappeler und Sebastian Leugger, Basel/Bern
Eingereicht für die Landsgemeinde Zürich 2012.
Resultat der Vorabstimmung:
293 Stimme(n)